Masterkurs / Selbständige Kursbausteine
Rating Advisory - Teil Modul Finanzierungsmodelle
 Rating Zenon


Zenon der Ältere, in Unteritalien im 5. Jahrhundert v. Chr. lebender griechischer Philosoph, gilt als grausamer Ironiker. Er bewies mit mathematischer Vernunft, dass der schnellste Mensch, Achill, das langsamste Tier, die Schildkröte, in einem Wettlauf mit relativ kurzer Distanzvorgabe zugunsten der Schildkröte, niemals einholen kann.

Das Gesetz der mathematischen Vernunft kennt keinen Zusammenhang, sondern unterteilt ihn immer wieder. So wird der unteilbare Elan des Achill mit der Bahn der Schildkröte unendlich oft unterteilt, dass Achill immer erst die Hälfte eines auch noch so kleinen Abstands, der ihn von der Schildkröte trennt, zu durchlaufen hat, während sich die Schildkröte weiter fortbewegt. Mathematisch wird Achill die Schildkröte niemals erreichen.

Einem im Jahre 1975 von den Zentralbanken der sogenannten G10- Länder gegründeter Ausschuss von Bankenaufsichtsbehörden gehören zwischenzeitlich die Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan , Kanada, Luxemburg , Niederlande, Schweden, Schweiz und USA an. Der Anstoß für die Gründung des Ausschusses war die beginnende Globalisierung des Finanzwesens, der es nationalen Bankaufsichtsbehörden unmöglich machte, die Risikosituation global agierender Kreditinstitute zu überwachen.

Aufgabe des Ausschusses ist, einheitliche Empfehlungen und strategische Überwachungsrichtlinien zu erarbeiten sowie einen Rahmen für die Kreditrisikobemessung zu schaffen. Der Ausschuss ist in Basel bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) untergebracht. Eine Eigenkapitalvereinbarung aus dem Jahre 1988, die eine bankenaufsichtliche Mindesteigenkapitalanforderung für Kreditinstitute in Höhe von 8% der Kreditsumme beinhaltet, trägt daher umgangssprachlich den Titel Basel I.

Die Basel I Vorschriften der Eigenkapitalquote im Verhältnis zum ausgeliehenen Kapital gelten noch bis zum Jahre 2006. In Deutschland wird die Eigenkapitalunterlegung der Banken durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht und mit dem Gesetz über das Kreditwesen (KWG) geregelt. Eigenkapital wird in Kernkapital (z.B. eingezahltes Grundkapital) und Ergänzungskapital (z.B. Bürgschaften) unterteilt.

Zu Beginn des Jahres 2007 soll , nach einem Parallellauf im Jahre 2006, eine Neuregelung angemessener Eigenkapitalausstattung im Verhältnis zu ausgereichten Krediten in Kraft treten, die umgangssprachlich den Titel Basel II trägt.
 

 Neue Bedingungen


Die neue Quantifizierung des zu unterlegenden Eigenkapitals hat eine Bandbreite (z.B. Banken und Unternehmen) von 20% bis 150 % des Standardsatzes (8% Basel I), je nach Risikogewichtung bzw. je nach Bonität des Kreditnehmers. Die Bonität des Kreditnehmers wird durch ein Rating-System ermittelt, bei dem Sicherheiten nicht eingerechnet werden, weil die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls, nicht die Höhe, ermittelt werden soll.

Rating bedeutet Einschätzung (nach to rate - einschätzen - "I do not rate his merits high") und ist die zusammengefasste Meinung einer Rating-Agentur (externes Rating) oder Fremdkapital-Rating einer Bankabteilung (internes Rating) über die zeitgerechte und vollständige Bezahlung von Zins-und Tilgungsverpflichtungen bzw. sonstigen Rechnungen eines Schuldners.

Rating-Agenturen existieren seit mehr als 100 Jahren. Die international bekanntesten Ratings erteilen Moody's und Standard & Poor's. Die Rating-Symbole reichen von Triple A (AAA) - Bestnote - über Triple C (CCC) - Junk Bonds - bis zu C -.
 

 Rating als Voraussetzung für eine Kreditvergabe / Lieferantenkredit


Das Bonitätsrating als Grundlage für die auszureichenden Kredite bedeutet nach Basel II, dass ab 2006 für eine Kreditvergabe Voraussetzung ein Rating (extern oder intern , beide sind gleichwertig) ist, und das Rating weiter über die Zinshöhe entscheidet. Denn wenn eine kreditgebende Bank einen Kredit mit einer höheren Eigenkapitalquote unterlegen muß, werden die Zinsen naturgemäß höher sein als bei niedriger Eigenkapitalunterlegung (Eigenkapitalverzinsung / Pricing).

Die Rating-Symbole als Kennzeichen des Risikopotenzials (mindestens acht Stufen) können nicht nur Kredite verteuern oder unmöglich machen, sondern auch Vorkassebegehren von Lieferanten zur Folge haben .

Obwohl für die Qualität eines Ratings stets die Qualifikation der handelnden Personen massgeblich ist, kann ein mit moderner Informationstechnik verbreitetes unqualifiziertes
„Rating“ verheerende Wirkung haben.

Die Rating-Unternehmen suchen weitere Geschäftsfelder (über Fonds-Rating, neuerdings auch Hedgefonds-Rating) und erlangen so bedeutende wirtschaftliche Macht, ohne selbst kontrolliert zu werden. Insofern sind international gesetzgeberische Massnahmen zur Überwachung der Rating-Unternehmen in Vorbereitung.
 

 Track Record


Da für die Anerkennung eines internen Ratings durch die Bankenaufsicht mindestens zwei Jahre Rating-Praxis (Rating Track Record) vorgewiesen werden müssen, führen die meisten Banken bereits interne Ratings durch. Entsprechend können die Ratings der "Bewährungs-Abteilungen" zenonistisch sein.

Der unternehmerische Elan wird maschinell zerstückelt . Die Schwachstellen sind daher stets die Qualifikation und das unternehmerische Denken des Analysten beim Anklicken der in den Rastern vorgegebenen Antwort - Texthilfen zu Strukturfragen. Und anders als bei Kauf- oder Verkaufsempfehlungen unseligen Gedenkens vor dem bubble burst der New Economy, denn nunmehr entscheiden Analyst und Computer über wirtschaftliche Existenz.

Insofern ist es für jeden unternehmerischen Kreditnehmer oder Warenbesteller wichtig, die vorhandenen Standards des Ratings bzw. allgemeine Pflichten zu kennen, um Rechungswesen und Unternehmensdarstellung vorzubereiten.
 

 Informationsangebot / Rating Advisory


Seit August 2002 bietet UNIRVM online gestützte Informations- / Trainings-Kurse an, mit dem Ziel, den hohen Informationsbedarf abzudecken, Unternehmenskennzahlen zu erarbeiten und mit einem Rating- "Probelauf" für das Real Thing zu wappnen, K.O.-Punkte anzuzeigen sowie Nachvollziehbarkeit der Ratings zu ermöglichen.

Ohne Training und ohne Kenntnis der Regeln sollte niemand zu einem Fight mit einem Berufsboxer in den Ring steigen.
 

 Kursinformationen


Zielgruppe:

Unternehmer, Vorstände/ Geschäftsführer mittelständischer Betriebe, Führungskräfte aus Start-up Unternehmen, Multiplikatoren (Steuerberater, Unternehmensberater).


Inhalte:

Programm Bilanzauswertung (streng geheim)
Unternehmenskennzahlen Branchenrisiko (streng geheim)
Strukturelle Fragen zur Unternehmenssituation (u.a. Marktposition, Standort, Management etc.) mit Antworttexthilfen
Programm Auswertung / Rating


Methode I

Textorientierte Unterweisung (download)
Eingabe von erarbeiteten Kennzahlen (aus Texthilfen zu strukturellen Fragen)
Eingabe Bilanzdaten
Ausdruck Rating

Gebühr:

Ca. zwei Stundenhonorare Steuerberater


Methode II

Seminarbetrieb (Dauer 2 Tage)